Briefe an Gemeindemitglieder

An die Adressen älterer Mitglieder der Gemeinde wurden zwischen 14. März Briefe verteilt bzw. versendet, die inhaltlich aber die gesamte Gemeinde ansprechen. Sie stehen weiter unten als Fließtexte zur Verfügung (optimal zum Lesen auf Smartphones), nachfolgend auch als PDF.

Brief vom 26. 5. als PDF>

Brief vom 19. 5. als PDF>

Brief vom 12. 5. als PDF>

Brief vom 5. 5. als PDF>
Musik dazu hier>

Brief vom 28. 4. als PDF>

Brief vom 21. 4. als PDF>

Osterbrief 2020 als PDF>

Brief vom 31. 3. als PDF>

Brief vom 24. 3. als PDF>

Brief vom 17. 3. als PDF>

Brief vom 13. 3. als Bilddatei>

Brief vom 19. Mai 2020

„Jeder Gruß ein Segen!“

Liebe Gemeindeglieder,

nochmal ein Corona-Rundbrief, vielleicht einer der vorerst Letzten. Hoffen wir es!

Am Donnerstag zu Christi Himmelfahrt erhält jede/r, die/der zum Gottesdienst gemeinsam mit den Kessinern in den Kösterbecker Wald kommt, eine Postkarte. Beginn ist um 11:00 Uhr. Am Abend gibt es um 18:00 Uhr in St. Marien noch eine Musikalische Andacht. Auf der Karte ist ein Tor in einer alten Mauer zu sehen und darüber eine typisch barocke pausbäckige Engelsfigur. Durch das Tor öffnet sich der Blick ins Weite auf eine Wald- und Wiesenlandschaft mit Bergen im Hintergrund. In schöner handschriftlich anmutender Schnörkelschrift steht mitten auf diesem Bild der Satz: „Grüß Gott“.

Ich erinnere mich noch daran, als mir zum ersten Mal, wahrscheinlich in Bayern, ein Mensch mit diesem Gruß begegnete. Es hat mich fast befremdet. Mittlerweile mag ich diesen, in die Alltagsbegegnung eingegangenen frommen Wunsch. Es ist eine Kurzformel des Glaubens: „Ich grüße in Dir den Abglanz Gottes!“

Beim Meditationskurs habe ich es später ähnlich erlebt: Zu Beginn und zum Abschluss verbeugten sich alle einzeln voreinander mit vor der Brust aufeinandergelegten Handflächen und sprachen jeweils: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in Dir!“

Vergangenes Jahr im Herbst, bei meiner Wanderung durch das Mustang Tal in Nepal bis hin zur tibetischen Grenze, sind mir in den buddhistischen Klöstern die Klosterschüler in ihren orangenen Gewändern ganz ähnlich entgegengekommen.

In der hebräischen Sprache, der Ursprache der Bibel, hat das eine Wort „barak“ das ganze Bedeutungsspektrum von „grüßen“, „willkommen heißen“ und „segnen“. Wir kennen den Namen „Barak“. Das bedeutet: „Willkommener“, „Gesegneter“ und „Segnender“.

Wenn Menschen sich gegenseitig (be-)achten und grüßen, strömt Segen hin und her. Jeder Gruß ein Segen! So kommt Gott in unsere Zwischenräume, als einander belebende Kraft der Beziehung. Auch in einer kurzen Begegnung kann sich das „Sakrament des Augenblicks“ ereignen. Du wirst gesehen, erkannt, geschätzt.

Endlich dürfen wir wieder vorsichtig beginnen! Der Besuchsdienst hat sich ein erstes Mal getroffen. Wir haben verabredet, die Geburtstagsgrüße wieder persönlich zu überbringen, allerdings nach vorheriger Absprache, soweit es möglich ist, per Telefon, sonst per vorher geschriebener Postkarte mit Telefonnummer zur Rückantwort. Bei jedem Besuch werden die Vorsichtsmaßnahmen eingehalten. Es können auch Treffen im Hof oder vor dem Haus verabredet werden, ggf. auch um dann miteinander einen kleinen Spaziergang zu machen.

Besuche in den Senioreneinrichtungen sind leider weiterhin noch nicht grundsätzlich wieder möglich, nur im beschränkten Maße für engste Angehörige und nach vorheriger Anmeldung. Wir sind aber im Gespräch mit den Einrichtungen und bitten um die Telefonnummern derer, die wenige Kontaktpersonen haben und gerne einen Anruf erhalten.

Am Ende der Briefe des Apostels Paulus sind lange Grußlisten mit vielen Namen. Ein Segen, dass wir diese Briefe des Paulus bis heute lesen können! Indem wir einander von Herzen grüßen, breiten wir Gottes Segen aus.

Herzliche Grüße!

Ihr Willfrid Knees


Brief vom 12. Mai 2020

Liebe Mitglieder unserer Gemeinde,

Gott hat Sehnsucht, darum will er mit uns reden. DAS ist der Anfang des Gebets, nicht umgekehrt. Gott ist bedürftig, er kommt nicht mit sich selber aus, wie ein Liebhaber nicht mit sich selber auskommt. Gott ist der größte Liebhaber und der, der geliebt werden will. Haben Sie schon mal mit diesem Blick über das Beten nachgedacht?

„Alles Gott erzählen“, so heißt ein Kindergebetbuch, das vor 30 Jahren erschien. Nein, Sie müssen es nicht lesen, aber den Titel können Sie gern auf sich wirken lassen.
Also, Gott alles erzählen, weil er es hören will, weil er wissen will, wie es uns geht, weil Gott Sehnsucht hat. Wäre das ein Gedanke für Sie wert, dass Sie Gott ALLES erzählen können?

Manche sagen, die Menschen fangen erst an zu beten, wenn es ihnen hundsmiserabel geht.
„Wenn ich sterbe, werde ich Gott alles sagen“, soll ein kleiner 3jähriger Junge geflüstert haben, der schwerverletzt in einem syrischen Krankenhaus lag. Es waren seine letzten Worte. So etwas geht unter die Haut.

Mit Gott reden, wie mit einem engsten Vertrauten: Wären Sie bereit? Könnten Sie das? Erzählen, klagen, sich beschweren, gar petzen? Schimpfen, loben, danken, berichten, einfach alles sagen?

Beten zu können, dafür muss man kein religiöses Genie sein, meint der Theologe und Gottliebhaber Fulbert Steffensky: „Spiritualität ist nicht die Delikatessen-Ecke für religiöse Feinschmecker-Beter in unserer Kirche. Beten ist keine Kunst, sondern ein Handwerk.
Der durchschnittliche Mensch kann es lernen, wie er lesen, schreiben und kochen lernen kann.“

Drei Erleichterungen werde ich Ihnen verraten, wenn Sie das Beten lernen oder üben wollen:

Erstens: Versuchen Sie es mit Leihgebeten. Klauen Sie sich schöne Gebete, die Sie in der Bibel finden, deren Worte Ihr Herz treffen und von denen Sie das Gefühl haben, damit könnten Sie Gott eine Menge erzählen und von sich etwas loswerden. Sie finden solche Worte überall, am meisten aber in den Psalmen, denn das sind ursprünglich alles gesungene Gebete gewesen.
Und das Ihnen bekannteste Gebet steht im Matthäusevangelium, im 6. Kapitel: das Vaterunser.

Zweitens: Singen Sie. Gesungene Gebete kommen einem leichter über die Lippen. Die CD bzw. der Link auf der Internetseite vom letzten Brief haben da Einiges parat. Und wenn Sie wollen, singen Sie mit: „Gott lass meine Gedanken sich sammeln zu dir…“ (Lied Nr. 5)

Und drittens: Wenn es Zeiten gibt, wo Sie nicht beten können, zwingen Sie sich nicht, aber halten Sie den Platz frei für das Gebet. Machen Sie dann einfach nichts.
Sitzen Sie das aus, es kommt wieder und dann wäre es schön, es gäbe noch diesen Ort
und die Zeit dafür.

Aber was, wenn sich meine Sehnsucht größer anfühlt als Gottes Sehnsucht? Was, wenn es geradezu weh tut, weil ich Gott nicht hören kann? „Rede, Herr, so will ich hören“, heißt es immerhin ganz treffend in einem Lied. Was also, wenn so eine elende Ruhe herrscht?
Dann gibt es nur eins: Dranbleiben, Gott in den Ohren liegen.

„Rogate“ – Betet! So heißt der nächste Sonntag. Ich wünsche uns allen Mut zum Beten, Lust auf neue Entdeckungen beim Beten üben und einen langen Atem.

Herzlich grüßt Sie Ihre
Elisabeth Lange


Brief vom 5. Mai 2020

Liebe Mitglieder der Innenstadtgemeinde!

Von alters her benennt man die Sonntage nach den Anfängen ihrer mittelalterlichen Gesänge, die für den Einzug vorgesehen waren. Der kommende Sonntag heißt „Kantate“, abgeleitet vom 98. Psalm (die Psalmen waren vor rund 2.500 Jahren ebenfalls Lieder, auch wenn die Melodien verloren gingen). Es heißt dort: Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Auf Latein: Cantate domino canticum novum quia mirabilia fecit.

Auf Wunder warten – das liegt in unseren Tagen wieder näher als sonst. Kranke, Sterbende, ihre Angehörigen, Minijobber, Kleinunternehmer, Konzernchefs – sie warten auf ein Wunder. Einige nur umgangssprachlich, andere flehentlich.

Und gerade jene, die sich vom Christentum abgewandt oder ihm nie angehört haben, fragen: Wo ist er denn, euer Gott? Ist das Corona-Virus Teil der Schöpfung? Das Flüchtlingselend in Kleinasien? Was tut oder lässt Gott, sei es er oder sie, ein von Verstand und Aufklärung überholtes Fabelwesen?

Über Wunder singen… Der Sonntag „Kantate“ wird auch Sonntag der Kirchenmusik genannt.Kirchenmusik ist ja nicht nur, wenn gute Musik erklingt (egal, welchen Stils – jede gute Musik zeigt die Schönheit der Schöpfung), nein, Kirchenmusik ist, wenn von Gott erzählt wird, von seinem Da-Sein und Fern-Sein, von Freude mit ihm und Leid ohne ihn, wenn seine Nähe nicht zu spüren ist.

Kirchenmusik ist sehr alt: Im 15. Kapitel des Buches Exodus, dem Auszug Israels aus Ägypten, lesen wir, wie die Prophetin Miriam zur Handtrommel griff und mit den Frauen sang und tanzte, nachdem Gott das die Israeliten verfolgende ägyptische Heer im zurückflutenden Roten Meer aufhielt. (Dieses von Frauen initiierte Gotteslob wurde später zum Gesang das Moses und des gesamten Volkes ausgeweitet.)

„Das war ja leicht, da gab’s ja auch ein Wunder zu sehen!“ – so dachten Generationen von Bibel-Lesern bei solchen Bibelstellen. Es gibt aber auch Lieder, die von Verfolgung handeln, von Einsamkeit, Krankheit und Todesangst. Viele finden sich unter den 150 Psalmen. Auch die Frage „Wo ist nun dein Gott?“ kommt dort zur Sprache. Es gibt auch Liebeslieder, geistliche und sinnliche. Alles, was heute gefühlt und besungen wird, steht bereits in der Bibel. Zahllose Dichter*Innen und Musiker’Innen haben seither Verse geschaffen oder umgeformt, Melodien gepflegt oder neu erfunden.

Nachdem Frauen und die einfachen Menschen aus dem gottesdienstlichen Singen zunächst verdrängt worden waren, sind sie seit der Reformation wieder mit dabei, unterstützt und geleitet von denen, die es etwas besser können, den Chören. Damals wurde das Amt des Kantors geprägt (lateinisch für Sänger), und heute schreiben Ihnen die beiden Kantoren der Innenstadtgemeinde.

„Gottesdienste erlaubt, aber ohne Singen!“ So ist es nun zu lesen. Mag man sich das vorstellen? Eigentlich nicht, und lange mussten wir jetzt schon auf gemeinsames Singen verzichten. „Davon ich singen und sagen will!“ dichtete Martin Luther im Lied „Vom Himmel hoch“. Ob instrumental, leise gesummt, vernehmlich gesungen oder hinaus geschrieen – wir brauchen die Musik, sie ist dem Menschen „systemrelevant“ und war es immer.

Unsere Auswahl auf beiliegender CD will eine Mischung sein aus dem üblichen Lob Gottes, wenn man darin einstimmen mag, und Texten bzw. Strophen, die wir in „guten Zeiten“ gerne auch mal weglassen, die uns aber in Corona-Tagen ganz neu erreichen. Der Pastor und Dichter Paul Gerhardt hatte praktisch sein ganzes Leben lang Pandemie-Situationen zu ertragen. In seinen Versen klingen Demut und Dankbarkeit für alles Gute, was ihm blieb im schweren Leid, und Vertrauen auf kommenden Trost.

Denn auch die Israeliten konnten erst ein Loblied singen, nachdem sie eine ganze Weile nur VERTRAUT hatten. Darauf, dass Gott sie in ein besseres Leben führt, obwohl doch alles gegen einen Erfolg sprach. Diese Spannung ist uralt und täglich neu. Und für alles zwischen Ausweglosigkeit und Erlösung gibt es (mindestens) ein Lied.

Singen Sie mit, summen Sie mit, hören Sie hinein – wie ging es den Autor*Innen der Lieder wohl, als sie jene Worte und Töne fanden? Wen hatten sie damals als Hörer und Mitsänger vor Augen?

Auch heute werden Lieder und Texte geschrieben. Immer wieder taucht Neues in unseren Gottesdiensten auf. Ja, nicht alles ist gleich gut gelungen. Nie war planbar – auch nicht bei Hitparade und Song Contest – welches Lied länger trägt als nur ein paar Minuten oder Wochen. Es braucht mindestens eine Generation, und in diesen Abständen entstehen auch die Gesangbücher.

Was ist IHR Lied, was sind IHRE Gesänge für Freud und Leid – innerhalb und außerhalb von Kirche? Ist es nicht herrlich, dass für jeden Geschmack und jede Situation etwas da ist? Martin Luther pries die Musik als wunderbare Gabe Gottes, weil er wusste: Der Teufel flieht vor ihr. Nicht das rote Männchen mit Tierfüßen – nein, alles, was drückt und beschwert. Wenn der junge David mit seiner Harfe den betrübten König Saul tröstet, ist dies die erste Musiktherapie-Sitzung – aufgeschrieben im Buch Samuel vor über 2.500 Jahren…

Freuen wir uns auf gemeinsames Singen und Musizieren – sei es auf Abstand, nebeneinander in der Kirchenbank oder in einem Chor!

Ihre Kantoren Benjamin Jäger und Karl-Bernhardin Kropf

Informationen für die nächste Zeit:

Nach wie vor gibt es keine Zusammenkünfte und Veranstaltungen wie Chor, Konfirmandengruppen, Gesprächskreise, gemeinsame Ausflüge etc. Aber am kommenden Sonntag, d. 10. Mai, feiern wir wieder die ersten Gottesdienste in unseren Kirchen: um 10 Uhr in St. Marien (ein kurzer Gottesdienst von etwa einer halben Stunde auch für Familien mit Kindern) und um 19 Uhr in St. Petri. Diese Zeiten sind zunächst für die kommenden Wochen angedacht, eine grundlegende Veränderung der Gottesdienstzeiten in der Innenstadtgemeinde ist nicht geplant! In St. Marien finden 130 Menschen Platz, und in St. Petri dürfen wir 50 Besuchende empfangen. Sie können uns gerne Bescheid geben, wo Sie wann zum Gottesdienst kommen wollen. Aber wir hoffen, auch Spontan-Teilnehmer*Innen unterbringen zu können. Bei großem Andrang um 10 Uhr kann auch ein zweiter Gottesdienst um 11 Uhr in St. Marien stattfinden.

Es gelten beim Gottesdienstbesuch folgende, mit Landesregierung und Nordkirche abgestimmte Regeln:

  • Eintragen in eine Teilnehmenden-Liste vor Betreten der Kirche (wird nach 4 Wochen wieder vernichtet); alternativ ist es möglich, eine mitgebrachte „Visitenkarte“ mit Name, Anschrift, Telefonnummer abzugeben – kommen Sie nach Möglichkeit etwas zeitiger, um Warteschlangen zu vermeiden.
  • Maskentragen erwünscht, aber keine Pflicht.
  • Familien sitzen bitte während des Gottesdienstes zusammen, Kindergottesdienste gibt es vorerst leider noch nicht.
  • Die Toiletten in unseren Kirchen bleiben wegen der nur schlecht zu garantierenden Hygienemaßgaben vorerst für Gottesdienst-Teilnehmer*Innen geschlossen.Personen mit Erkältung bleiben bitte zuhause.

Weiterhin werden sonntags Andachten/Gottesdienste aus der Region über den Youtube-Kanal „Evangelische Kirchengemeinden in Rostock“ abrufbar und über den Radiosender LOHRO 90.2 (jeweils 9 Uhr) zu empfangen sein.

Am Freitag, d. 8. Mai gedenken wir des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren. Aus diesem Anlass finden zwei Lesungen statt, initiiert vom Stadtpfarramt und der Anderen Buchhandlung, die Sie im Internet verfolgen können (www.anderebuchhandlung.de). Am 8. Mai um 20.15 Uhr wird aus der Anderen Buchhandlung live übertragen – Gelesenem und Musik aus dem Gustav-Adolf-Saal der Petrikirche kann schon vorher gelauscht werden.


Brief vom 28. April 2020

Liebe Mitglieder der Innenstadtgemeinde!

Es ist eine tiefe biblische Überzeugung, dass die Erschaffung der Erde ein unabgeschlossenes Projekt ist. Es gibt sehr verschiedene Bibeltexte zum Thema. Nach mindestens einer Erzählung ist Weiterentwicklung – Evolution – vorgesehen. Alle Texte sind sich darin einig, dass GOTT die Erde stets und ständig weiter betreuen und bewahren muss. Aber ansonsten sind die Vorstellungen sehr vielfältig. Es war kein Mensch dabei – im Anfang. Tatsachenberichte gibt es also nicht, aber viele schöne Erzählungen und Lieder, die in Bildsprache das Vertrauen lehren, dass da ein GOTT ist, der, dem Menschen zum Trotz, sich weiter kümmert.

Und sagen Sie nichts Verächtliches über Bildersprache. Wenn Sie jemanden beschreiben, den sie lieben und warum, kommen Sie ohne diese Sprache nicht aus, wollen Sie nicht Gewicht, Körpergröße o.ä. Tatsachenwahrheiten als Gründe für die Liebe ins Feld führen.

Für den 3. Mai, Sonntag der Osterzeit mit dem schönen Namen „Jubilate“, ist ein Schöpfungstext vorgesehen, der zauberhaft ist- und auch ein bisschen traurig. Sie finden ihn im Buch der Sprüche 8, 22-35:

22 Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.
23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.
24 Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.
25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,
26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.
27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe,
28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,
29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,
30 da war ich beständig bei ihm; ich war sein Pflegekind täglich und spielte vor ihm allezeit;
31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.
32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten!
33 Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!
34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore!
35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn.

Das Traurige zuerst: Die Weisheit muss sich in den umliegenden Kapiteln des Bibelbuches der Sprüche den Menschen darstellen. Sie wirkt wie eine leicht ramponierte, etwas verbitterte ältere Schönheit. Sie muss für sich werben. Das fällt ihr nicht leichter als uns Pastor*innen ein Onlineauftritt vor leeren Bänken. Wenn sie über ihre Vergangenheit redet, kommt sie ins Schwärmen:

„Ich war von Anfang an dabei!“ Die Weisheit wird dabei mit einem seltenen Wort bezeichnet. In älteren Lutherbibeln wurde es mit „Werkmeister“ übersetzt. Dann könnte Ihr Herz lachen, das sich nach einem Baumarkt sehnt. Die Schöpfung wäre ein Aufbau, dessen Teile an IKEA-Pakete erinnern, auf denen ein Piktogramm prangt: „Einzelperson durchgestrichen. Aufbau bitte mindestens zu zweit!“

Es ist aber viel wahrscheinlicher, dass für unser Wort die andere Bedeutung gemeint ist: „Hätschelkind“, „Pflegekind“!

Denken Sie an Kinder in Ihrer Familie. Wenn sie gerade nicht nahe dran sind: Schöne Erinnerungen erbauen auch bis zum Wiedersehen. Sie gehen über eine Wiese oder durch ein Waldstück. Sie entdecken durch das Staunen der Kinder alles neu!

In unseren Versen ist die Weisheit wohl ein Mädchen, das durch die Welt tanzt. Sie lockt aus GOTT die besten Ideen hervor, ist so etwas wie seine Muse.

Wer von Ihnen Kinder (vielleicht länger und öfter als sonst) bei sich hat, versteht etwas von diesem Prinzip. Die Schöpfung geht in diesem Sinne weiter. Manchmal aber sieht die Weisheit alt aus –

wegen der Dummheit der Menschen.

In Zeiten der Corona-Pandemie hat sie es auch nicht so leicht. Aber mancher Herrscher mit einem biegsamen Verhältnis zur Wahrheit wird auch bloßgestellt.

Manches Gute haben diese schrecklichen Zeiten auch hervorgebracht. Mit den Kindern behalten wir das Vertrauen auf einen GOTT, der es nach wie vor gut meint.

Inzwischen sind im Gemeindehaus Bei der Nikolaikirche 8 Mundschutzmasken genäht worden.

Sie können nach vorherigem Anruf in den Gemeindehäusern Bei der Nikolaikirche 8, Bei der Marienkirche 1 oder auch zu den mittäglichen Öffnungszeiten in St. Marien (täglich 11:45-13:00) erworben werden. Sie werden gegen Spende (Richtwert: 4,00 €) abgegeben. Übrigens suchen wir, da nahezu ausverkauft, dringend Gummibänder zum Nähen weiterer Masken. Sie können helfen, dann wählen Sie die Nummer von Sylvi Holtz.

Telefon:

– Büro: 038151089710
– Sylvi Holtz: 0178 6270100‬
– Willfrid Knees: 0381510 89716
– Elisabeth Lange: 0381510 89711
– Reinhard Scholl: 0381510 89712

Am 3. 5. werden die Glocken letztmalig zum 19:00 Uhr-Gebet läuten. Das sollte Sie nicht davon abhalten, weiter täglich im Gebet an alle zu denken, die mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen in Berührung kommen oder kamen.

Herzlich grüßt in der Hoffnung, dass wir uns bald wiedersehen und mit Lust auf herzhaften Händedruck Ihr

Reinhard Scholl


Brief vom 21. April 2020

„Liebe Deine Geschichte!  Sie ist der Weg, den Gott mit Dir gegangen ist.“ Leo Tolstoi

Liebe ältere Gemeindemitglieder,

es kristallisiert sich heraus: Wir Älteren, die zur Risikogruppe gehören, sollen auch in den kommenden Wochen (und Monaten?) mit besonderer Sorgfalt geschützt werden bzw. uns selber schützen. Sorgen mache ich mir um die Menschen, die isoliert in Alten- und Pflegeheimen leben – oder die alleine sind zu Hause. Wer in der Lage ist zu telefonieren, wird hoffentlich nicht vereinsamen. Aber was ist mit denen, die das nicht mehr können? Wenn sie auf Dauer keinen Besuch empfangen dürfen und das Pflegepersonal wenig Zeit hat, kann soziale Isolation die Lebenskräfte versiegen lassen. Davor warnen Altersmediziner. Es wäre doch paradox: die Schutzmaßnahme vor der lebensgefährlichen Infektion führt zum Abbau der Lebenskräfte durch Vereinsamung. Für diese Situation muss es eine andere Lösung geben!

Ein Segen, die meisten von uns aus der Generation Sechzig plus sind durchaus in der Lage, ihr Leben – auch mit den verlängerten Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung – sinnvoll zu gestalten. Ich sehe darin eine Chance. Wenn jetzt schon von einer neuen Achtsamkeit in der Globalisierung gesprochen wird, so möchte ich vorschlagen, dass wir Älteren die Zeit des eingeschränkten Lebensradius nutzen, um das eigene Leben sorgfältig zu sortieren. Wovon will ich mich rechtzeitig trennen? Was brauche ich wirklich in dieser Lebensphase und was kann ich getrost loslassen? – Und es ist auch die Gelegenheit, endlich einmal für Kinder und Enkel, Nichten und / oder Neffen aufzuschreiben, was ich an Lebenserfahrungen und Einsichten weitergeben möchte an die kommende Generation. Eine gute Freundin hat das für ihre nächsten Angehörigen und engsten Freundinnen und Freunde unter der Überschrift: „Was meinem Leben Richtung gab“ zusammen gefasst, eine Art Besinnungsaufsatz, angereichert mit kleinen, zum Teil heiteren, in sich abgeschlossen biografischen Erzählungen und einigen Bildern. – Dazu möchte ich Sie anregen! Welche Menschen waren Richtung weisend für Ihr Leben? Wie war das nach 1945 für sie als Kind oder junger Menschen, der Neuanfang? Welche Bücher, Filme, Theaterstücke haben Sie begeistert? Welche Reisen haben Ihren Horizont erweitert? Welche Begegnungen und Erfahrungen – eventuell auch Krisen – haben auf die Entwicklung Ihres Glaubens prägenden Einfluss genommen? Welche Lebensthemen haben sich heraus geschält, welche Fragen haben sich für Sie bis heute nicht erübrigt? – Der Theologe Karl Rahner sagt: „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.“ – An welchen Grenzerfahrungen sind Sie gereift? Hat sich vielleicht ein Scheitern im Nachhinein als glückliche Fügung heraus gestellt.

Hanns-Josef Ortheil hat eine vergnügliche Anleitung zum autobiografischen Schreiben verfasst: >Schreiben über mich selbst<. Darin warnt er davor, schematisch vorzugehen. Gehen Sie spielerisch um mit Ihren Erinnerungen! Träumen Sie und halten Sie immer ein Notizbuch parat! – „.Eure Alten sollen Träume haben!“, heißt es in einem pfingstlichen Text der Bibel (Joel 3,1). Österlich staunend beginnen wir zu verstehen: Die Lebensgeschichte eines jeden Menschen ist ein Kapitel im großen Lebensbuch, das Gott einmal zusammenbinden wird. Ihre Lebensgeschichte ist kostbar! Im Herbst, wenn wir uns wieder begegnen dürfen, lesen wir uns gegenseitig daraus vor. Ich bin gespannt, von Ihnen zu hören!

Herzliche Grüße, Ihr Willfrid Knees

PS.:

In unserer Gemeinde werden jetzt auch Masken genäht: Wir suchen noch Baumwollstoffe, das „Goldstaubmaterial“ = Gummiband, Helfer die gerne mit nähen möchten. Sie können zu Hause nähen oder auch gerne mit uns im kleinen Team im Gemeindehaus. Wenn Sie Material haben oder uns unterstützen möchten, melden Sie sich gerne bei Sylvi Holtz.

Wer noch eine Maske benötigt, kann diese gegen eine Spende bei uns erwerben.

Sylvi Holtz


Osterbrief 2020

seit kurzem können wir viel besser nachfühlen, wie das ist mit einem Leben „davor“ und einem „danach“.
Wir wissen plötzlich genau, was es heißt, an einer Schaltstelle zu sein, eine Zäsur zu erleben.

Ostern ist die schwerwiegendste Zäsur, die man sich nur vorstellen kann.
Ab Ostern könnten es alle sehen: das Interesse Gottes an den Menschen ist so groß, dass es den Tod übersteht.
Die Liebe Gottes zu den Menschen ist so tief, dass sie den Tod überlistet.

Das ist schwer zu glauben, wenn wir am liebsten hätten, dass Gott einer ist, der mit aller Macht alles zum Guten wendet.
Wie oft denken wir: „Leg endlich los, Gott!“ Und wir haben eine genaue Vorstellung, wie er das gefälligst zu machen hat.

Gott ist aber der, der am Kreuz geschrien hat, weil ihm alles weh tat.
Und Gott ist der, der sich am dritten Tag gezeigt hat, im hellen Osterlicht und eher so was gesagt hat, wie:
„Fürchtet euch nicht vor dem Tod. Ich bin da. Fürchtet euch nicht vor dem Leben. Ich bin da. Ich bin niemals weg, tot und verschwunden.
Ich mache alles neu, ich will es nur mit euch und für euch, für alles, was lebt: vor der Krise, in der Krise und danach. Verlasst euch drauf.“

Zu Ostern feiern wir AUFERSTEHUNG: Aufstand gegen den Tod und gegen alles, was das Leben beschädigt.
Und wir feiern das Leben, zerbrechlich und mit neuer Bedeutung.

Neuer Anfang, jeden Tag, neuer Geist und neue Sicht, die den Tod durchbricht.

Im Namen des Teams der Kirchengemeinde wünsche ich Ihnen frohe und gesegnete Ostern.
Jedes Mitglied Ihrer Familie bekommt ein Osterlicht.
Herzlich grüßt Sie Ihre Elisabeth Lange

Zur Information:
Bei Radio LOHRO (UKW 90,2) gibt es die Möglichkeit, Gottesdienste von Rostocker Gemeinden zu hören. Schalten Sie gerne ein. Geplant sind folgende Sendezeiten: Gründonnerstag um 20 Uhr (Innenstadtgemeinde), Karfreitag um 9 Uhr (Toitenwinkel), Ostersonntag um 9 Uhr (Kooperation Kessin – Innenstadtgemeinde),
Ostermontag um 9 Uhr (Reutershagen).

Die schnellsten und aktuellsten Hinweise zum Gemeinde lesen Sie immer unter www.innenstadtgemeinde.de
Außerdem finden Sie uns bei Facebook unter Evangelische Innenstadtgemeinde Rostock und bei Instagram unter ev.innenstadtgemeinde.rostock.
Zukünftig soll hin und wieder ein Newsletter erscheinen. Wenn Sie uns dafür Ihre Mailadresse schicken wollen, dann am besten an Frau Holtz (sylvi_frenzel@yahoo.de), die diese Anschriften sammelt.

Eventuell verzögert sich die Ausgabe des nächsten Gemeindebriefes um ca. drei Wochen: Wir wollen die Entscheidungen der Landesregierung für die Zeit nach dem 20. April abwarten, ehe wir Veranstaltungen festlegen und Bedingungen dafür beschreiben. Wir bitten herzlich um Ihr Verständnis.

Wie die Träumenden
Das wird sch
ön sein, wenn wir uns wieder treffen können!
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder direkt in die Augen
schauen k
önnen.
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder die Hände geben
und einander umarmen k
önnen – bestimmt umarme ich vor lauter Freude
den einen oder die andere mehr als zuvor.
Das wird schön sein, wenn wir wieder gemeinsam Gebete sprechen und
Lieder singen k
önnen – gerne auch lauthals.
Das wird schön sein, wenn wir wieder auf einen Kaffee zusammensitzen, miteinander reden,
lachen und wo es Not tut auch weinen k
önnen.
Das wird schön sein, wenn wir die wärmende Sonne genießen und die
Kinder fr
öhlich auf dem Spielplatz spielen können.
Ja, es wird sogar schön sein, wieder zur Schule oder zur Arbeit gehen
zu dürfen – wer hätte das gedacht?
All das und vieles mehr, was uns bislang vertraut und selbstverständlich war,
werden wir ganz neu genießen, fast wie ein kleines Kind.
Das wird schön sein! Und bis wir uns wiedersehen, halten wir aus und durch.
Bis dahin leben wir in Quarantäne – zwischen Hoffen und Bangen.
Bis dahin telefonieren und chatten wir, halten Abstand – ‚social distance‘.
Unser Schreibtisch heißt jetzt ‚home-office‘ und die Besprechungen halten wir per Video
– geht alles, sogar Gottesdienste.
Und wir beten für die Kranken und die Traurigen
und zugleich gegen die eigene Angst und die Sorgen um die Zukunft
und gegen die Verzweiflung.

Und bis wir uns wiedersehen, lernen wir kreativ zu sein und viele neue Dinge.
Bis dahin schreiben wir – ganz altmodisch – Briefchen an unsere Nachbarn
mit Hilfsangeboten und mit Dank.
Bis wir uns wiedersehen, lernen wir einander neu kennen
und unsere Familien und uns selbst.
Bis dahin fangen wir vielleicht sogar an, das Leben neu zu sehen:
Was ist wirklich wichtig?
Und bis wir uns wiedersehen, fangen wir an zu träumen,
wie es sein könnte, nachdem es nun nicht mehr so ist, wie es war;
was wir verändern, neugestalten und wie wir neu beginnen werden.
Das wird so schön sein, neu zu leben als Träumende im Hier und Jetzt;
behütet, bewahrt und getr
östet!

Wenn GOTT die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. (Psalm 126,1-2)

nach Simon Froben


Brief vom 31. März 2020

Liebe Mitglieder der Innenstadtgemeinde!

„Der Text ist klüger als sein Autor!“ Das ist ein Lieblingssatz meiner Kollegin. Psalmen sind schlau genau in diese Richtung komponiert.
Viele Situationen sollen sie auffangen.

Der Psalm 43, ist der Psalm dieser Woche überrascht uns in unserer merkwürdigen Situation der unsichtbaren Belagerung durch Viren.
Wir müssen ihn nur mit Psalm 42 zusammenlesen. Beide Texte gehören sowieso als ein Psalm zusammen
und haben deshalb auch den gleichen Kehrvers.

„Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen,
dass ich Gottes Angesicht schaue?  Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt:
Wo ist nun dein Gott?  Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einher zog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes
mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.  
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg
und zu deiner Wohnung, dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.“

(aus Psalm 42-43)

Kummer und Angst können uns Tränen in die Augen treten lassen, uns zum Schweigen bringen oder in uns zu Musik,
vielleicht einem Lied werden. So ein Lied ist dieser Psalm.
Dass uns das Miteinander bei Gottesdiensten einmal so fehlen könnte!
Wir haben in den letzten Jahren überall die Gebetsrichtung an unseren Altären verändert, damit wir Sie beim Beten ansehen.
Denn Gott ist am ehesten im Angesicht von Menschen zu erahnen.
Dass Gott uns so fehlen würde, wenn wir nicht von Nahem in das Angesicht unserer Mitmenschen sehen können!
Ein (Psalm)-Lied, das hilft, mit frischer Erinnerung die wüste Zeit zu bestehen! Wir nehmen Gottesdienste vor leeren Bänken auf –
uns fehlt Ihr Angesicht! Bis dahin pflegen wir das in guter Erinnerung. Du fehlst mir!
Das ist eine kleine Liebeserklärung! An Sie und an Gott! Zum Glück begegnet er uns auch noch in der Natur, in der Kunst und an unvorhergesehenen Orten.

Wir läuten die Glocken: 12:00 Uhr zum Mittagsgebet in St. Marien, abends 19:00 Uhr in Marien, Nikolai und Petri.
Dann können Sie eine Kerze ins Fenster stellen.

Für die Heilige Woche von Palmsonntag bis Ostermontag haben wir zwei Begleithefte erstellt, mit denen Sie zuhause allein oder im engsten Kreis von Palmarum bis Ostermontag lesen oder Andacht halten können, ein Heft für Familien mit Kindern, eins eher für Erwachsene und große Jugendliche. Beide können gut kombiniert werden.

Sie sind auf der Seite www.innenstadtgemeinde.de zu finden. Wenn Sie eine gedruckte Version wünschen, können Sie sich mit dem Gemeindebüro> telefonisch in Verbindung setzen.

Für diese Beihefte gibt es zusätzliches Glockengeläut:
Palmarum 10:00 Uhr, Gründonnerstag 18:00 Uhr, Karfreitag zur Sterbestunde 15:00.
Dann schweigen die Glocken bis zur Osternacht. Sie läuten am Ostermorgen 5:30 Uhr, am Ostersonntag 8:00 Uhr
und Ostermontag 10:00 Uhr.

Wir begleiten Sie als Gemeinde weiter im Gebet und sind auch gern zu praktischen Hilfen,
z.B. wenn Sie Not bei Einkäufen oder Ähnlichem haben, bereit.

Wir telefonieren auch einfach gern mit Ihnen!

Sie können sich in der Zeit von Montag bis Freitag zwischen 10:00-18:00 Uhr
an folgende Telefonnummern wenden:
0381-51089710 (Büro)
0381-510 89711 (Pastorin Lange)
0381-510 89712 (Pastor Dr. Scholl)
0381-510 89716 (Pastor Knees)

Von Besuchen aller Art müssen wir in nächster Zeit weiter absehen.

Das Gemeindebüro ist nur telefonisch erreichbar.

Gottesdienste, Kreise und Veranstaltungen sind mindestens bis zum 19.4. abgesagt.

Ich habe noch eine Bitte. Wenn Sie eine E-Mail-Adresse haben und sich vorstellen können, dass Sie diesen Brief künftig darüber beziehen könnten,
melden Sie sich bitte im Gemeindebüro. Sie unterstützen damit unsere Ehrenamtlichen, die die Post ausfahren.

Herzlich Ihr
P. Reinhard Scholl

Im Anhang finden Sie den Vorschlag für ein Gebet, das wir nach wie vor verwenden:

Lebendiger Gott,
das Leben Deiner Geschöpfe liegt Dir am Herzen. Du kannst uns ein Arzt sein:
Wir bitten Dich für alle Menschen, die mit dem Corona-Virus ringen: die Kranken, Pfleger*innen und Ärzt*innen,
die Angehörigen, und alle Verantwortlichen in Behörden und Regierungen.
Sei Du wie unsere Mutter und unser Vater! Lass uns spüren, dass wir Geschwister sind.
Amen


Brief vom 24. März 2020

Zuversicht hamstern“

Die Frühlingssonne scheint gleißend. Wer würde nicht gerne unbeschwert ein erstes Eis draußen genießen?! Doch viele sind erschrocken. Die Bilder aus Bergamo und Brescia sind drastisch. Droht uns das auch?

Sinnvolle Sorge – mehr noch um die Gesundheit der Menschen, die uns am Herzen liegen, als um die eigene – kann zur Angst ausufern, die einen nicht mehr ruhig schlafen lässt. Jeder von uns weiß um Menschen, die jetzt zur Hauptrisikogruppe gehören. Wir denken an sie, beten für sie, rufen sie auch an.

Für jede und jeden von uns persönlich geht es jetzt darum, die eigene seelische Widerstandskraft zu stärken. Das Wort, das uns vor Angst bewahrt, können wir uns nicht selber sagen. Ich möchte Sie dazu anregen, wenn Sie es nicht längst tun, sich die Psalme vorzunehmen. Da sind Worte zu finden, die einem helfen können, die Angst, vielleicht nicht zu besiegen, aber doch mit ihr zu leben, ohne von ihr regiert zu werden.

Rainer Maria Rilke schreibt in einem Brief: „Ich habe die Nacht einsam hingebracht in manch innerer Abrechnung und habe schließlich … die Psalmen gelesen, eines der wenigen Bücher, in dem man sich restlos unterbringt, mag man noch so zerstreut und ungeordnet und angefochten sein.“

Ich stelle einige Verse aus den Psalmen zusammen, in denen die Betenden bezeugen, dass sie von ihrer Angst befreit wurden:

„Du lässest mich erfahren viele und große Angst und machst mich wieder lebendig und holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde.“ (Psalm 71,20)

„In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörte mich und tröstete mich.“ (Psalm 118,5)

„Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickest du mich.“ (Psalm 138,7)

„Wenn mein Geist in Ängsten ist, so nimmst du dich meiner an.“ (Psalm 142,4)

Darauf kommt es in diesen Tagen an, Kraft zu schöpfen aus dem Gebet und aus der Gewissheit: da sind viele, die mit mir und auch für mich beten. Jeden Mittag um 12:00 Uhr wird in St. Marien das MITTAGSGEBET gehalten. Es ist möglich dazu zu kommen. Die Tür steht ab 11:45 Uhr halb offen. Die Kirche ist groß genug. Man kann Abstand wahren. Und abends um 19:00 Uhr laden wir sie mit vielen anderen Gemeinden im ganzen Land ein, eine Kerze ins Fenster zu stellen und stille Fürbitte zu halten – besonders für die Menschen, die im Gesundheitsdienst arbeiten. In diesem halb öffentlichen ABENDGEBET setzen wir gemeinsam ein Zeichen des Glaubens für diese Stadt.

In einem Interview auf der Wirtschaftsseite der Zeitung wird ein Ökonom gefragt, was er denn empfehle, sich auf Vorrat zu besorgen. Er antwortet:„ Ich hamstere Zuversicht!“. – Das ist ein gutes Lebensmotto in dieser Zeit.

Wir möchten Sie einladen, uns auch Ihre „Lebensworte“ zukommen zu lassen, die Ihnen jetzt helfen, die Angst zu bändigen und besonnen zu bleiben. Schreiben Sie uns per E-Mail oder auch per Post. Wir können dann aus dem Fundus an Lebensworten, der entstehen mag, für die nächsten Rundbriefe schöpfen.

HERZLICHE GRÜSSE und GOTT BEFOHLEN!

Pastor Willfried Knees


Brief vom 17. 3. 2020

Liebe Mitglieder der Innenstadtgemeinde,

während ich schreibe, ändern sich stündlich die Mitteilungen, Hinweise und Verbote.
Ich ahne, dass es auch noch eine Ausgangssperre geben könnte. Es ist die zweite Woche von etlichen, die folgen werden. Wir wollen mit Ihnen, so lange und so gut es geht, Verbindung halten.
Als ich klein war, haben wir im Kindergottesdienst immer ein Lied gesungen, das ging so:

Wenn ich sag MEIN BRUDER, so bedeutet das, mein Bruder, dass deine Freude meine Freude ist.

Wenn ich sag MEIN BRUDER, so bedeutet das, mein Bruder, dass deine Leiden meine Leiden sind.

Wenn ich sag MEIN BRUDER, so bedeutet das, mein Bruder, für dich zu beten jeden neuen Tag.

In diesen Tagen denke ich oft an Menschen, deren Beruf es ist, uns Freude zu machen: Schausteller, Zirkusleute, Musiker, Künstler aller Art. Jeder Tag verordneter und notwendiger Ungeselligkeit trifft hart, trifft existenziell. Abgesagte Konzerte, ausgefallene Vorstellungen, verbotene Märkte – da stehen komplette Familienbetriebe vor dem Ruin.

Unsere Brüder und Schwestern sind sie allemal; gerade die Schausteller haben unsere Gemeinde, Hilfsorganisationen und medizinische Einrichtungen der Stadt seit Jahren selbstlos mit großen Spenden für ihre Arbeit bedacht.

Jetzt ist es an uns, sie zu unterstützen. Wir würden gerne die nächste Sonntagskollekte, die für unsere eigene Gemeinde bestimmt wäre, der Schausteller – und Zirkusseelsorge zur Verfügung stellen. Wenn Sie sich beteiligen wollen, nutzen Sie das in der Fußzeile angegebene Konto mit dem Verwendungszweck:
Kollekte 29. 3.

Wenn Sie selbst Hilfe brauchen, Unterstützung, ganz praktisch, unser Angebot bleibt bestehen, für Sie einzukaufen, so lange wir noch dürfen. Wenn Sie ein Problem haben, für das wir gemeinsam schneller eine Lösung finden oder wenn Sie einfach mal reden wollen, rufen Sie uns an. Telefonieren geht immer.

Sie können sich in der Zeit von Montag bis Freitag zwischen 10:00-18:00 Uhr an folgende
Telefonnummern wenden:

0381 510897 10 (Büro) – 0381 510 897 11  (Pastorin Lange) –
0381 510 897 12  (Pastor Dr. Scholl )  – 0381 510 897 16  (Pastor Knees)

Zur Ihrer Info: Die Kirchen bleiben geschlossen (außer Marien 11:45 Uhr -13:00 Uhr), das Büro ist dienstags und donnerstags besetzt, aber nicht mehr für Besucher geöffnet. Gottesdienste finden – wie alle anderen Veranstaltungen, bei denen sich Menschen versammeln würden – nicht mehr statt. Aber wir suchen gerade nach der Möglichkeit von Radiogottesdiensten und mehr Platz in der Zeitung, damit Sie eine Andacht lesen können.

Wir sind Geschwister, darum werden wir füreinander beten, jeden neuen Tag.

Bleiben Sie behütet.
Herzlich Ihre
Pastorin Elisabeth Lange

Gebet täglich um 12 Uhr

Lebendiger Gott, das Leben Deiner Geschöpfe liegt Dir am Herzen. Du kannst uns ein Arzt sein:

Wir bitten Dich für alle Menschen, die mit dem Corona-Virus ringen:
die Kranken, Pfleger*innen und Ärzt*innen, die Angehörigen, und alle Verantwortlichen in Behörden und Regierungen.
Sei Du wie unsere Mutter und unser Vater!
Lass uns spüren, dass wir Geschwister sind.
Amen


Brief vom 13. 3. 2020

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