Briefe an Gemeindemitglieder

Brief vom 31. März 2020

Liebe Mitglieder der Innenstadtgemeinde!

„Der Text ist klüger als sein Autor!“ Das ist ein Lieblingssatz meiner Kollegin. Psalmen sind schlau genau in diese Richtung komponiert.
Viele Situationen sollen sie auffangen.

Der Psalm 43, ist der Psalm dieser Woche überrascht uns in unserer merkwürdigen Situation der unsichtbaren Belagerung durch Viren.
Wir müssen ihn nur mit Psalm 42 zusammenlesen. Beide Texte gehören sowieso als ein Psalm zusammen
und haben deshalb auch den gleichen Kehrvers.

„Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen,
dass ich Gottes Angesicht schaue?  Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt:
Wo ist nun dein Gott?  Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einher zog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes
mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.  
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg
und zu deiner Wohnung, dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.“

(aus Psalm 42-43)

Kummer und Angst können uns Tränen in die Augen treten lassen, uns zum Schweigen bringen oder in uns zu Musik,
vielleicht einem Lied werden. So ein Lied ist dieser Psalm.
Dass uns das Miteinander bei Gottesdiensten einmal so fehlen könnte!
Wir haben in den letzten Jahren überall die Gebetsrichtung an unseren Altären verändert, damit wir Sie beim Beten ansehen.
Denn Gott ist am ehesten im Angesicht von Menschen zu erahnen.
Dass Gott uns so fehlen würde, wenn wir nicht von Nahem in das Angesicht unserer Mitmenschen sehen können!
Ein (Psalm)-Lied, das hilft, mit frischer Erinnerung die wüste Zeit zu bestehen! Wir nehmen Gottesdienste vor leeren Bänken auf –
uns fehlt Ihr Angesicht! Bis dahin pflegen wir das in guter Erinnerung. Du fehlst mir!
Das ist eine kleine Liebeserklärung! An Sie und an Gott! Zum Glück begegnet er uns auch noch in der Natur, in der Kunst und an unvorhergesehenen Orten.

Wir läuten die Glocken: 12:00 Uhr zum Mittagsgebet in St. Marien, abends 19:00 Uhr in Marien, Nikolai und Petri.
Dann können Sie eine Kerze ins Fenster stellen.

Für die Heilige Woche von Palmsonntag bis Ostermontag haben wir zwei Begleithefte erstellt, mit denen Sie zuhause allein oder im engsten Kreis von Palmarum bis Ostermontag lesen oder Andacht halten können, ein Heft für Familien mit Kindern, eins eher für Erwachsene und große Jugendliche. Beide können gut kombiniert werden.

Sie sind auf der Seite www.innenstadtgemeinde.de zu finden. Wenn Sie eine gedruckte Version wünschen, können Sie sich mit dem Gemeindebüro> telefonisch in Verbindung setzen.

Für diese Beihefte gibt es zusätzliches Glockengeläut:
Palmarum 10:00 Uhr, Gründonnerstag 18:00 Uhr, Karfreitag zur Sterbestunde 15:00.
Dann schweigen die Glocken bis zur Osternacht. Sie läuten am Ostermorgen 5:30 Uhr, am Ostersonntag 8:00 Uhr
und Ostermontag 10:00 Uhr.

Wir begleiten Sie als Gemeinde weiter im Gebet und sind auch gern zu praktischen Hilfen,
z.B. wenn Sie Not bei Einkäufen oder Ähnlichem haben, bereit.

Wir telefonieren auch einfach gern mit Ihnen!

Sie können sich in der Zeit von Montag bis Freitag zwischen 10:00-18:00 Uhr
an folgende Telefonnummern wenden:
0381-51089710 (Büro)
0381-510 89711 (Pastorin Lange)
0381-510 89712 (Pastor Dr. Scholl)
0381-510 89716 (Pastor Knees)

Von Besuchen aller Art müssen wir in nächster Zeit weiter absehen.

Das Gemeindebüro ist nur telefonisch erreichbar.

Gottesdienste, Kreise und Veranstaltungen sind mindestens bis zum 19.4. abgesagt.

Ich habe noch eine Bitte. Wenn Sie eine E-Mail-Adresse haben und sich vorstellen können, dass Sie diesen Brief künftig darüber beziehen könnten,
melden Sie sich bitte im Gemeindebüro. Sie unterstützen damit unsere Ehrenamtlichen, die die Post ausfahren.

Herzlich Ihr
P. Reinhard Scholl

Im Anhang finden Sie den Vorschlag für ein Gebet, das wir nach wie vor verwenden:

Lebendiger Gott,
das Leben Deiner Geschöpfe liegt Dir am Herzen. Du kannst uns ein Arzt sein:
Wir bitten Dich für alle Menschen, die mit dem Corona-Virus ringen: die Kranken, Pfleger*innen und Ärzt*innen,
die Angehörigen, und alle Verantwortlichen in Behörden und Regierungen.
Sei Du wie unsere Mutter und unser Vater! Lass uns spüren, dass wir Geschwister sind.
Amen


Brief vom 24. März 2020

Zuversicht hamstern“

Die Frühlingssonne scheint gleißend. Wer würde nicht gerne unbeschwert ein erstes Eis draußen genießen?! Doch viele sind erschrocken. Die Bilder aus Bergamo und Brescia sind drastisch. Droht uns das auch?

Sinnvolle Sorge – mehr noch um die Gesundheit der Menschen, die uns am Herzen liegen, als um die eigene – kann zur Angst ausufern, die einen nicht mehr ruhig schlafen lässt. Jeder von uns weiß um Menschen, die jetzt zur Hauptrisikogruppe gehören. Wir denken an sie, beten für sie, rufen sie auch an.

Für jede und jeden von uns persönlich geht es jetzt darum, die eigene seelische Widerstandskraft zu stärken. Das Wort, das uns vor Angst bewahrt, können wir uns nicht selber sagen. Ich möchte Sie dazu anregen, wenn Sie es nicht längst tun, sich die Psalme vorzunehmen. Da sind Worte zu finden, die einem helfen können, die Angst, vielleicht nicht zu besiegen, aber doch mit ihr zu leben, ohne von ihr regiert zu werden.

Rainer Maria Rilke schreibt in einem Brief: „Ich habe die Nacht einsam hingebracht in manch innerer Abrechnung und habe schließlich … die Psalmen gelesen, eines der wenigen Bücher, in dem man sich restlos unterbringt, mag man noch so zerstreut und ungeordnet und angefochten sein.“

Ich stelle einige Verse aus den Psalmen zusammen, in denen die Betenden bezeugen, dass sie von ihrer Angst befreit wurden:

„Du lässest mich erfahren viele und große Angst und machst mich wieder lebendig und holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde.“ (Psalm 71,20)

„In der Angst rief ich den Herrn an, und der Herr erhörte mich und tröstete mich.“ (Psalm 118,5)

„Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickest du mich.“ (Psalm 138,7)

„Wenn mein Geist in Ängsten ist, so nimmst du dich meiner an.“ (Psalm 142,4)

Darauf kommt es in diesen Tagen an, Kraft zu schöpfen aus dem Gebet und aus der Gewissheit: da sind viele, die mit mir und auch für mich beten. Jeden Mittag um 12:00 Uhr wird in St. Marien das MITTAGSGEBET gehalten. Es ist möglich dazu zu kommen. Die Tür steht ab 11:45 Uhr halb offen. Die Kirche ist groß genug. Man kann Abstand wahren. Und abends um 19:00 Uhr laden wir sie mit vielen anderen Gemeinden im ganzen Land ein, eine Kerze ins Fenster zu stellen und stille Fürbitte zu halten – besonders für die Menschen, die im Gesundheitsdienst arbeiten. In diesem halb öffentlichen ABENDGEBET setzen wir gemeinsam ein Zeichen des Glaubens für diese Stadt.

In einem Interview auf der Wirtschaftsseite der Zeitung wird ein Ökonom gefragt, was er denn empfehle, sich auf Vorrat zu besorgen. Er antwortet:„ Ich hamstere Zuversicht!“. – Das ist ein gutes Lebensmotto in dieser Zeit.

Wir möchten Sie einladen, uns auch Ihre „Lebensworte“ zukommen zu lassen, die Ihnen jetzt helfen, die Angst zu bändigen und besonnen zu bleiben. Schreiben Sie uns per E-Mail oder auch per Post. Wir können dann aus dem Fundus an Lebensworten, der entstehen mag, für die nächsten Rundbriefe schöpfen.

HERZLICHE GRÜSSE und GOTT BEFOHLEN!

Pastor Willfried Knees


Brief vom 17. 3. 2020

Liebe Mitglieder der Innenstadtgemeinde,

während ich schreibe, ändern sich stündlich die Mitteilungen, Hinweise und Verbote.
Ich ahne, dass es auch noch eine Ausgangssperre geben könnte. Es ist die zweite Woche von etlichen, die folgen werden. Wir wollen mit Ihnen, so lange und so gut es geht, Verbindung halten.
Als ich klein war, haben wir im Kindergottesdienst immer ein Lied gesungen, das ging so:

Wenn ich sag MEIN BRUDER, so bedeutet das, mein Bruder, dass deine Freude meine Freude ist.

Wenn ich sag MEIN BRUDER, so bedeutet das, mein Bruder, dass deine Leiden meine Leiden sind.

Wenn ich sag MEIN BRUDER, so bedeutet das, mein Bruder, für dich zu beten jeden neuen Tag.

In diesen Tagen denke ich oft an Menschen, deren Beruf es ist, uns Freude zu machen: Schausteller, Zirkusleute, Musiker, Künstler aller Art. Jeder Tag verordneter und notwendiger Ungeselligkeit trifft hart, trifft existenziell. Abgesagte Konzerte, ausgefallene Vorstellungen, verbotene Märkte – da stehen komplette Familienbetriebe vor dem Ruin.

Unsere Brüder und Schwestern sind sie allemal; gerade die Schausteller haben unsere Gemeinde, Hilfsorganisationen und medizinische Einrichtungen der Stadt seit Jahren selbstlos mit großen Spenden für ihre Arbeit bedacht.

Jetzt ist es an uns, sie zu unterstützen. Wir würden gerne die nächste Sonntagskollekte, die für unsere eigene Gemeinde bestimmt wäre, der Schausteller – und Zirkusseelsorge zur Verfügung stellen. Wenn Sie sich beteiligen wollen, nutzen Sie das in der Fußzeile angegebene Konto mit dem Verwendungszweck:
Kollekte 29. 3.

Wenn Sie selbst Hilfe brauchen, Unterstützung, ganz praktisch, unser Angebot bleibt bestehen, für Sie einzukaufen, so lange wir noch dürfen. Wenn Sie ein Problem haben, für das wir gemeinsam schneller eine Lösung finden oder wenn Sie einfach mal reden wollen, rufen Sie uns an. Telefonieren geht immer.

Sie können sich in der Zeit von Montag bis Freitag zwischen 10:00-18:00 Uhr an folgende
Telefonnummern wenden:

0381 510897 10 (Büro) – 0381 510 897 11  (Pastorin Lange) –
0381 510 897 12  (Pastor Dr. Scholl )  – 0381 510 897 16  (Pastor Knees)

Zur Ihrer Info: Die Kirchen bleiben geschlossen (außer Marien 11:45 Uhr -13:00 Uhr), das Büro ist dienstags und donnerstags besetzt, aber nicht mehr für Besucher geöffnet. Gottesdienste finden – wie alle anderen Veranstaltungen, bei denen sich Menschen versammeln würden – nicht mehr statt. Aber wir suchen gerade nach der Möglichkeit von Radiogottesdiensten und mehr Platz in der Zeitung, damit Sie eine Andacht lesen können.

Wir sind Geschwister, darum werden wir füreinander beten, jeden neuen Tag.

Bleiben Sie behütet.
Herzlich Ihre
Pastorin Elisabeth Lange

Gebet täglich um 12 Uhr

Lebendiger Gott, das Leben Deiner Geschöpfe liegt Dir am Herzen. Du kannst uns ein Arzt sein:

Wir bitten Dich für alle Menschen, die mit dem Corona-Virus ringen:
die Kranken, Pfleger*innen und Ärzt*innen, die Angehörigen, und alle Verantwortlichen in Behörden und Regierungen.
Sei Du wie unsere Mutter und unser Vater!
Lass uns spüren, dass wir Geschwister sind.
Amen


Brief vom 13. 3. 2020

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